Marina Frenk | Neukölln
„Sprechen ist der friedlichste Krieg, den wir Menschen führen können, wenn auch Worte und die Inhalte, die sie transportieren, tiefe Krater in unseren Seelen hinterlassen können, je nachdem welche Inhaltsbombe nach uns geworfen wurde.“ (Frenk, 2024)
Marina Frenk hat sich als Schauspielerin, Autorin und Musikerin in der Kulturszene Deutschlands eine unverwechselbare Präsenz erarbeitet. Sie wurde 1986 in Chișinău
in der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik geboren und zog 1993 nach Deutschland, wo ihre künstlerische Weltanschauung geformt wurde. Sie studierte an der Folkwang Universität der Künste in Essen und spielte auf namhaften Theaterbühnen wie etwa dem Schauspielhaus Bochum, dem Schauspiel Leipzig und dem Berliner Maxim Gorki Theater. Frenks Arbeit vertieft sich in Themen der Identität, der Geschichte und der komplexen menschlichen Erfahrungen, oft auch beeinflusst durch ihren eigenen jüdischen Hintergrund.
Ihre jüdischen Wurzeln haben insbesondere Einfluss auf ihre künstlerischen Entscheidungen und erkunden jüdische Geschichte und Identität. So spielte sie beispielsweise in „Ich heb’ dir eine Welt aus den Angeln“ an der Neuköllner Oper nicht nur das Stück, sondern trug auch einen Song bei, der den Wert politischer Ideologien für die Schaffung einer gerechten Welt infrage stellt. Das Stück befasste sich mit Olga Benario, einer jüdischen Kommunistin und symbolischen Figur für den Widerstand.
Im Jahr 2020 veröffentlichte Frenk ihren Roman „ewig her und gar nicht wahr“, ein Buch über Migration, kulturelle Tradition und Zugehörigkeit. Ihre jüngsten Theaterprojekte haben ihre künstlerische Entwicklung weiter geprägt. Zu nennen ist insbesondere „EINE NIERE HAT NICHTS MIT POLITIK ZU TUN – Gespenster des Totaliautaripostkommupseudoeurasiismus“ am Maxim Gorki Theater. In dieser Produktion, für die sie Regie führte und als Darstellerin spielte, zusammen mit drei Musiker*innen, stammten die Texte teilweise von ihr, waren aber verwoben mit Schriften von osteuropäischen und russischen Autor*innen, die sich unter Putins Regime in Gefangenschaft befinden. Das Stück setzt sich mit physischer und psychologischer Folter auseinander sowie mit der Frage, was „Gedankenfreiheit“ bedeutet und ob politische Kunst in der Lage ist, reale Veränderungen zu bewirken.
Nach dem 7. Oktober 2023 beteiligte sie sich an dem Stück „Wie man nach einem Massaker humanistisch bleibt in 17 Schritten“, das unter der Regie der Israelin Sapir Heller am Maxim Gorki Theater aufgeführt wurde. Das Stück beschäftigt sich mit den moralischen Dilemmata, die sich aus dem Anspruch ergeben, inmitten von Gewalt, und insbesondere im Kontext des israelisch-palästinensischen Konflikts, humanistische Werte zu bewahren. Und es fordert das Publikum zur Konfrontation mit der Fragilität von Empathie und zivilisatorischen Idealen auf.
Im August 2024 erschien ein neuer Text, „Ein Versuch, sich zu verabschieden“ in der Anthologie „Wir schon wieder“ im Rowohlt Verlag. Der Text stellt eine poetische Erforschung der russischen Sprache, der Identität und historischer Unterdrückung dar, mit Reflexionen über die Sowjetunion und den Krieg in der Ukraine. Trotz ihrer unterschiedlichen Hintergründe teilen die Autor*innen dieser Publikation gemeinsame Erfahrungen als jüdische Immigrant*innen, die sich mit der Dynamik der deutschen Gesellschaft auseinandersetzen.
Frenks Werk stellt eine tiefgründige Erforschung von Identität und Resilienz dar und fordert das Publikum immer wieder heraus, sich schwierigen Geschichten und aktuellen Traumata zu stellen. Ihre schauspielerischen Arbeiten ebenso wie ihre Texte fördern den Dialog und regen zur Auseinandersetzung mit der Komplexität vergangener und gegenwärtiger Erfahrungen an.